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Betreuende
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Aussagen

Es ist kein Schicksal, betreuender Angehöriger zu sein!

Die Diagnose Multiple Sklerose meiner Gattin Sylvie vor 7 Jahren hat unser Familienleben stark verändert.
Rückblickend haben wir gelernt, dass die Solidarität, das miteinander Teilen, die Liebe und der Wille zu helfen uns erlaubt hat, unsere inneren Kräfte tagtäglich wieder neu zu entdecken.

Dies gelingt unter der Voraussetzung, dass der betreuende Angehörige nie vergisst, auch an sich selber zu denken.

 

Laurent Bastardoz

Pate der Vereinigung Betreuende Angehörige Wallis

 

Im Gedenken an Georges Bottinelli

Mein Mann liebte es, von unserer ersten Begegnung zu erzählen: 

"Eines Morgens um ca. Viertel nach sieben hörte ich die Nachrichten auf meinem Radiowecker als eine 18-jährige, junge Spitalhelferin in mein Zimmer trat, um mich zu pflegen. Nachdem sie mich begrüsst hatte, wollte sie das Radio abstellen. Was man nicht kennt, fasst man nicht an, habe ich geschrien!  Als unsere Blicke sich trafen, gab es wie ein Blitz im Zimmer und unsere schöne und grossartige Liebesgeschichte begann."

Seit diesem Tag und trotz 19 Jahren Altersunterschied und der Behinderung, haben wir uns nicht mehr getrennt. Wir haben 1984 geheiratet und haben eine Tochter. Wir machten alles gemeinsam, Einkaufen, Kino-, Restaurantbesuche, Reisen, Ferien. Ein ganz normales Leben oder fast; denn einzig die Blicke Anderer erinnerten ihn an seine Tetraplegie. 

Für uns war er ein liebender und aufmerksamer Ehegatte wie jeder andere, wenn nicht sogar noch etwas mehr. Der einzige Unterschied bestand darin, dass wir ihn beim Verrichten der täglichen Tätigkeiten unterstützten: Aufstehen, zurToilette gehen, Essen und Trinken, Anziehen, Begleitung zu den verschiedenen Ärzten. Wir kämpften gemeinsam jeden Tag um seinen müden Körper zu unterstützen. Bei den häufigen Spitaleinweisungen, bei Zweifel, Angst, Schmerzen und so mancher Verzweiflung standen wir ihm immer zur Seite. Wir waren eine vereinte, gar verschmolzene Familie und nichts konnte uns erschüttern oder trennen.

Eines Tages jedoch, trotz Unterstützungen der Haushaltshilfen seit 8 Jahren, hat sich sein Gesundheitszustand stark verschlechtert. Sein erschöpfter Körper konnte den Kampf  nicht mehr gewinnen. Die kalte und manchmal gleichgültige Umgebung der häufigen und beunruhigen Spitalaufenthalte hielt er nicht mehr aus. Als er spürte, dass er sterben wird, wollte er seine letzten Lebenstage zuhause bei seiner Familie verbringen. Jedoch wurde die Situation immer schwieriger und entsprechend schwierig war es, sowohl im Umfeld, als auch in der eigenen Familie Unterstützung zu finden. Wir haben alle Hebel in Bewegung gesetzt, um so viele Menschen wie möglich zu finden, die uns während dieser schmerzhaften Zeit ein wenig zu unterstützten. Leider waren alle Bemühungen vergebens. Aber wir wollten unbedingt eine Lösung finden, um die letzten Wünsche meines Ehegattens und Vaters zu erfüllen.

Trotz all unserer Bemühungen gelang es uns nicht. Wir waren alleingelassen und er musste wieder ins Spital eingewiesen werden, wo er am 3. November 2014 starb.
Diese Situation belastet uns noch heute. Wir bedauern, dass wir keine anderen Möglichkeiten hatten. Oft denken wir an die betreuenden Angehörigen, die sich um bedürftige Menschen kümmern und häufig alleingelassen sind. Oftmals wissen sie nicht wo Hilfe und Unterstützung angefordert werden kann oder wagen nicht zu fragen.

Diese Erfahrung hat uns gezeigt, dass wir alle menschlich und an einem bestimmten Zeitpunkt unseres Lebens auf Hilfe angewiesen sind. Darum ist es sehr wichtig, dass diese Vereinigung der Betreuenden Angehörigen gegründet wird. Es bietet sich dadurch die Gelegenheit, endlich etwas zu verändern. In einem täglich geführten Kampf gibt es nichts was mehr motiviert und beruhigt, als die gebotene Unterstützung und offene Ohren.

 

Antoinette  Bottinelli
 

 
Vereinigung Betreuende Angehörige Wallis
Rue de la Porte-Neuve 20
1950 Sitten
027 321 28 28
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